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Götz von Berlichingen

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Weislingen:    Ihr kommt zur ungelegnen Zeit. Geht und verweilt einige Tage hier. Kaufleute:   Wir empfehlen uns zu Gnaden. (Ab.) Kaiser:   Wieder neue Händel. Sie wachsen nach wie die Köpfe der Hydra. Weislingen:    Und sind nicht auszurotten als mit Feuer und Schwert und einer mutigen Unternehmung. Kaiser:   Glaubt Ihr? Weislingen:    Ich halte nichts für tunlicher, wenn Eure Majestät und die Fürsten sich über andern unbedeutenden Zwist vereinigen könnten. Es ist mit nichten ganz Deutschland, das über Beunruhigung klagt. Franken und Schwaben allein glimmt noch von den Resten des innerlichen verderblichen Bürgerkriegs. Und auch da sind viele den Edeln und Freien, die sich nach Ruhe sehnen. Hätten wir einmal diesen Sickingen, Selbitz - Berlichingen auf die Seite geschafft, das übrige würde bald von sich selbst zerfallen. Denn sie sind's, deren Geist die aufrührische Menge belebt. Kaiser:   Ich möchte die Leute gerne schonen, sie sind tapfer und edel. Wenn ich Krieg führte, müßten sie mit mir zu Felde. Weislingen:    Es wäre zu wünschen, daß sie von jeher gelernt hätten, ihrer Pflicht zu gehorchen. Und dann wär es höchst gefährlich, ihre aufrührischen Unternehmungen durch Ehrenstellen zu belohnen. Denn eben diese kaiserliche Mild und Gnade ist's, die sie bisher so ungeheuer mißbrauchten, und ihr Anhang, der sein Vertrauen und Hoffnung darauf setzt, wird nicht ehe zu bändigen sein, bis wir sie ganz vor den Augen der Welt zunichte gemacht und ihnen alle Hoffnung, jemals wieder emporzukommen, völlig abgeschnitten haben. Kaiser:   Ihr ratet also zur Strenge? Weislingen:    Ich sehe kein ander Mittel, den Schwindelgeist, der ganze Landschaften ergreift, zu bannen. Hören wir nicht schon hier und da die bittersten Klagen der Edeln, daß ihre Untertanen, ihre Leibeignen sich gegen sie auflehnen und mit ihnen rechten, ihnen die hergebrachte Oberherrschaft zu schmälern drohen, so daß die gefährlichsten Folgen zu fürchten sind? Kaiser:   Jetzt wär eine schöne Gelegenheit wider den Berlichingen und Selbitz; nur wollt ich nicht, daß ihnen was zuleid geschehe. Gefangen möcht ich sie haben, und dann müßten sie Urfehde schwören, auf ihren Schlössern ruhig zu bleiben und nicht aus ihrem Bann zu gehen. Bei der nächsten Session will ich's vortragen. Weislingen:    Ein freudiger beistimmender Zuruf wird Eurer Majestät das Ende der Rede ersparen.   (Ab.) J a g s t h a u s e n Sickingen. Berlichingen. Sickingen:   Ja, ich komme, Eure edle Schwester um ihr Herz und ihre Hand zu bitten. Götz:   So wollt ich, Ihr wärt eher kommen. Ich muß Euch sagen: Weislingen hat während seiner Gefangenschaft ihre Liebe gewonnen, um sie angehalten, und ich sagt sie ihm zu. Ich hab ihn losgelassen, den Vogel, und er verachtet die gütige Hand, die ihm in der Not Futter reichte. Er schwirrt herum, weiß Gott auf welcher Hecke seine Nahrung zu suchen. Sickingen:   Ist das so? Götz:    Wie ich sage. Sickingen:   Er hat ein doppeltes Band zerrissen. Wohl Euch, daß Ihr mit dem Verräter nicht näher verwandt worden. Götz:    Sie sitzt, das arme Mädchen, verjammert und verbetet ihr Leben. Sickingen:   Wir wollen sie singen machen. Götz:    Wie! Entschließet Ihr Euch, eine Verlaßne zu heiraten? Sickingen:   Es macht euch beiden Ehre, von ihm betrogen worden zu sein. Soll darum das arme Mädchen in ein Kloster gehn, weil der erste Mann, den sie kannte, ein Nichtswürdiger war? Nein doch! ich bleibe darauf, sie soll Königin von meinen Schlössern werden. Götz:    Ich sage Euch, sie war nicht gleichgültig gegen ihn. 29
  
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