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Georg:
Darf ich nicht mit?
Götz:
Ein andermal, Georg, wann wir Kaufleute fangen und Fuhren wegnehmen.
Georg:
Ein andermal, das habt Ihr schon oft gesagt. O diesmal! diesmal! Ich will nur
hintendreinlaufen, nur auf der Seite lauern. Ich will Euch die verschossenen Bolzen
wiederholen.
Götz:
Das nächstemal, Georg. Du sollst erst ein Wams haben, eine Blechhaube und einen
Spieß.
Georg:
Nehmt mich mit! Wär ich letzt dabei gewesen, Ihr hättet die Armbrust nicht verloren.
Götz:
Weißt du das?
Georg:
Ihr warft sie dem Feind an Kopf, und einer von den Fußknechten hob sie auf; weg
war sie! Gelt ich weiß?
Götz:
Erzählen dir das meine Knechte?
Georg:
Wohl. Dafür pfeif ich ihnen auch, wann wir die Pferde striegeln, allerlei Weisen und
lerne sie allerlei lustige Lieder.
Götz:
Du bist ein braver Junge.
Georg:
Nehmt mich mit, daß ich's zeigen kann!
Götz:
Das nächstemal, auf mein Wort. Unbewaffnet wie du bist, sollst du nicht in Streit. Die
künftigen Zeiten brauchen auch Männer. Ich sage dir, Knabe, es wird eine teure Zeit
werden: Fürsten werden ihre Schätze bieten um einen Mann, den sie jetzt hassen.
Geh, Georg, gib Hansen seinen Küraß wieder und bring mir Wein. (Georg ab). Wo
meine Knechte bleiben! Es ist unbegreiflich. Ein Mönch! Wo kommt der noch her?
(Bruder Martin kommt)
Götz:
Ehrwürdiger Vater, guten Abend! woher so spät? Mann der heiligen Ruhe, Ihr
beschämt viel Ritter.
Martin:
Dank Euch, edler Herr! Und bin vor der Hand nur demütiger Bruder, wen n's ja Titel
sein soll. Augustin mit meinem Klosternamen, doch hör ich am liebsten Martin,
meinen Taufnamen.
Götz:
Ihr seid müde, Bruder Martin, und ohne Zweifel durstig! (Der Bub kommt.) Da kommt
der Wein eben recht.
Martin:
Für mich einen Trunk Wasser. Ich darf keinen Wein trinken.
Götz:
Ist das Euer Gelübde?
Martin:
Nein, gnädiger Herr, es ist nicht wider mein Gelübde, Wein zu trinken; weil aber der
Wein wider mein Gelübde ist, so trinke ich keinen Wein.
Götz:
Wie versteht Ihr das?
Martin:
Wohl Euch, daß Ihr's nicht versteht. Essen und trinken, mein ich, ist des Menschen
Leben.
Götz:
Wohl!
Martin:
Wenn Ihr gegessen und getrunken habt, seid Ihr wie neu geboren; seid stärker,
mutiger, geschickter zu Euerm Geschäft. Der Wein erfreut des Menschen Herz, und
die Freudigkeit ist die Mutter aller Tugenden. Wenn Ihr Wein getrunken habt, seid Ihr
alles doppelt, was Ihr sein sollt, noch einmal so leicht denkend, noch einmal so
unternehmend, noch einmal so schnell ausführend.
Götz:
Wie ich ihn trinke, ist es wahr.
Martin.
Davon red ich auch. Aber wir -
(Georg mit Wasser)
Götz (zu Georg heimlich):
Geh auf den Weg nach Dachsbach, und leg dich mit dem Ohr auf die Erde, ob du
nicht Pferde kommen hörst, und sei gleich wieder hier.
Martin:
Aber wir, wenn wir gegessen und getrunken haben, sind wir grad das Gegenteil von
dem, was wir sein sollen. Unsere schläfrige Verdauung stimmt den Kopf nach dem
Magen, und in der Schwäche einer überfüllten Ruhe erzeugen sich Begierden, die
ihrer Mutter leicht über den Kopf wachsen.
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