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Gott, vermag ich das nicht!
Maria (kommt).
Er ist hin. Zum Saalfenster hinaus stürzt er wütend in den Main hinunter.
Weislingen: Ihm ist wohl. - Dein Bruder ist außer Gefahr. Die übrigen Kommissarien, Seckendorf
besonders, sind seine Freunde. Ritterlich Gefängnis werden sie ihm auf sein Wort
gleich gewähren. Leb wohl, Maria, und geh.
Maria:
Ich will bei dir bleiben, armer Verlaßner.
Weislingen: Wohl verlassen und arm! Du bist ein furchtbarer Rächer, Gott! - Mein Weib -
Maria:
Entschlage dich dieser Gedanken. Kehre dein Herz zu dem Barmherzigen.
Weislingen: Geh, liebe Seele, überlaß mich meinem Elend. - Entsetzlich! Auch deine Gegenwart,
Maria, der letzte Trost, ist Qual.
Maria (vor sich).
Stärke mich, o Gott! Meine Seele erliegt mit der seinigen.
Weislingen: Weh! Weh! Gift von meinem Weibe! - Mein Franz verführt durch die Abscheuliche!
Wie sie wartet, horcht auf den Boten, der ihr die Nachricht bringe: er ist tot. Und du,
Marie! Marie, warum bist du gekommen, daß du jede schlafende Erinnerung meiner
Sünden wecktest! Verlaß mich! Verlaß mich, daß ich sterbe.
Maria:
Laß mich bleiben. Du bist allein. Denk, ich sei deine Wärterin. Vergiß alles. Vergesse
dir Gott so alles, wie ich dir alles vergesse.
Weislingen: Du Seele voll Liebe, bete für mich, bete für mich! Mein Herz ist verschlossen.
Maria:
Er wird sich deiner erbarmen. - Du bist matt.
Weislingen: Ich sterbe, sterbe und kann nicht ersterben. Und in dem fürchterlichen Streit des
Lebens und Todes sind die Qualen der Hölle.
Maria:
Erbarme, erbarme dich seiner! Nur einen Blick deiner Liebe an sein Herz, daß es
sich zum Trost öffne, und sein Geist Hoffnung, Lebenshoffnung in den Tod
hinüberbringe!
I n e i n e m f i n s t e r n e n g e n G e w ö l b e
Die Richter des heimlichen Gerichts. Alle vermummt.
Ätester:
Richter des heimlichen Gerichts, schwurt auf Strang und Schwert, unsträflich zu
sein, zu richten im Verborgnen, zu strafen im Vergorgnen Gott gleich! Sind eure
Herzen rein und eure Hände, hebt die Arme empor, ruft über die Missetäter: Wehe!
Wehe!
Alle:
Wehe! Wehe!
Ältester:
Rufer, beginne das Gericht!
Rufer:
Ich, Rufer, rufe die Klag gegen den Missetäter. Des Herz rein ist, dessen Händ rein
sind zu schwören auf Strang und Schwert, der klage bei Strang und Schwert! klage!
klage!
Kläger (tritt vor):
Mein Herz ist rein von Missetat, meine Hände von unschuldigem Blut. Verzeih mir
Gott böse Gedanken und hemme den Weg zum Willen! Ich hebe meine Hand auf
und klage! klage! klage!
Ältester:
Wen klagst du an?
Kläger:
Klage an auf Strang und Schwert Adelheiden von Weislingen. Sie hat Ehebruchs
sich schuldig gemacht, ihren Mann vergiftet durch ihren Knaben. Der Knab hat sich
selbst gerichtet, der Mann ist tot.
Ältester:
Schwörst du zu dem Gott der Wahrheit, daß du Wahrheit klagst?
Kläger:
Ich schwöre.
Ältester:
Würd es falsch befunden, beugtst du deinen Hals der Strafe des Mords und des
Ehebruchs?
Kläger:
Ich biete.
Ältester:
Eure Stimmen.
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